Was kochen wir?

Fava, mehr als eine griechische Vorspeise

23. Juni 2022

Als ich vor zwanzig Jahren in Athen war, habe ich mir natürlich die Akropolis angesehen. Dort sprach mich ein junger Lehrer an und wir kamen in ein längeres Gespräch. Er wollte wissen, ob ich schon mal richtig traditionell griechisch gegessen habe. Ich musste verneinen, denn über Gyros und Souflaki war ich nicht hinaus gekommen. Er nannte mir eine Adresse, wenn ich mich richtig erinnere Sokrates (Nr.?) und ich sollte zur Mittagszeit dort hingehen. Erwartet hatte ich eine Taverne, aber es ging hinunter in den Keller. Dort gab es kleine Vierertische, grobe Stühle und jede Menge Arbeiter. Es roch nach Knoblauch, starken Kräutern und gebratenem Fisch. Ich saß noch gar nicht richtig, da hatte ich schon einen Teller mit Essen und eine kleine Flasche Wasser vor mir stehen. Es gab anscheinend keine Speisekarte, denn alle hatten dasselbe Essen. So lernte ich Fava kennen und ich liebe es bis heute. Der gelbe Platterbsenbrei wird gerne als lauwarme Vorspeise mit rohen Zwiebelringen gegessen. Ich mag ihn am liebsten als Beilage zum Hauptgericht. In Athen gab es dazu gebratenen Fisch. Bei mir heute mit veganem Gyros. Viel Spaß beim Nachkochen.

Zutaten für 4 Personen als Beilage:

  • 250 g gelbe Platterbsen/ alternativ gelbe Schälerbsen
  • Gemüsebrühe
  • Salz/Pfeffer
  • frischen Thymian und getrockneten Majoran
  • Zwiebeln
  • Olivenöl, je nach Geschmack Balsamicoessig

Fava : gelbe Platterbsen

Zubereitung:

Ich weiche die Erbsen tagsüber in Wasser (ohne Salz) ein, damit sie nicht so lange kochen müssen. Normale Kochzeit wird mit 50-60 Minuten angegeben. Auf kleinster Flamme langsam köcheln lassen. Darauf achten, dass immer genug Wasser im Topf ist. Erst wenn die gelben Hülsenfrüchte weich sind, kommen die Gewürze und Kräuter in den Topf. Kräftig abschmecken. Normalerweise wird gut die Hälfte des Breies püriert, aber aus Mangel an einem Pürierstab bleibt mein Fava sehr stückig. Wenn der Brei abgekühlt ist, kommt ein Schuss gutes Olivenöl darüber, wird vermengt und dann mit rohen Zwiebelringen gegessen. Bei unserem jetztigen Aufenthalt auf der Peloponnes habe ich in einer Taverne gegrillten Octopus mit Fava und in Balsamicoessig gedünstete Zwiebeln mit Rucola gegessen und das hat mir auch sehr gut geschmeckt.

Octopus mit Fava

Ursprünglich kommt das Gericht von der wunderschönen Insel Santorini, aber mittlerweile kann man es in ganz Griechenland und Türkei in der Taverne bestellen. Meist als Meze, griechischer Vorspeisenteller oder als Beilage zu Gegrilltem. Oft bestelle ich in Tavernen nur Vorspeisen, denn sie sind unglaublich lecker und man ist danach nicht so pappsatt wie nach einem schweren Hauptgericht. Mein Favorit ist, neben Fava, Saganaki. Das ist ein mit Mehl panierter und in viel Olivenöl ausgebackener halbfester Hartkäse. Leider bekommt man in Deutschland oft in Semmelbrösel panierten Schafskäse. Der kann es mit dem Original nicht einmal halbwegs aufnehmen. Und sollte Dir mal auf einer Speisekarte Kolokithakia Keftedes begegnen, solltest Du es unbedingt probieren. Zucchinifrikadellen mit Hartkäse und Pfefferminze. Die mediterrane Küche ist nicht nur lecker, sondern auch gesund. Auf Kreta lebten jahrelang die Menschen, die am ältesten weltweit wurden. Mit Zunahme des Tourismus veränderte sich das Essverhalten und wurde an die Urlaubsgäste angepasst. Leider. Aber was ist Dein Lieblingsland in Bezug auf Essen?

Fava mit zweierlei Zwiebeln und veganem Gyros mit Tsaziki

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