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Roadtrip Südfrankreich

29. November 2021

Der frühe Wintereinbruch in Italien hat uns diesen Herbst nach Südfrankreich geschickt. Statt Pizza und Spaghetti eben Croissant und Coq au vin. Der Wetterbericht zeigte 18 °Grad und Sonne satt für Südfrankreich an. Voller Vorfreude alles ins Wohnmobil gepackt und los. Ganz so schnell ging das leider nicht. Bis wir alles verstaut und den Teenager mit ausreichend Essensvorräten versorgt hatten, war es schon später Nachmittag und so war unsere erste Übernachtung kurz vor der französischen Grenze, auf dem Rastplatz “Schauinsland”. Unterwegs sollten es aber Stellplätze sein und die stelle ich Euch nacheinander vor.

Fünf Hotspots hatten wir uns für die Reise mit dem Wohnmobil ausgesucht. Am meisten freute ich mich auf die Ockerfelsen von Rustrel, in der Provence. So viele unterschiedliche Nuancen von Orange, Rot und Gelb. Da wir außerhalb der Saison unterwegs waren, gab es außer uns, nur noch wenige Menschen auf den Wanderwegen. Leider darf man auf dem Parkplatz der ehemaligen Ockergrube nicht mit dem Camper übernachten.  

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Provencal Colorado – Ockerfelsen von Rustrel

30 km entfernt gibt es den beschaulichen Ort Goult und auf dem Gemeindeplatz hat es vier kostenlose Parkplätze für Camper. Der Stellplatz hat das ganze Jahr geöffnet und Hunde sind auf dem befestigten Untergrund erlaubt. Er liegt in den Bergen und morgens sieht man wie der Nebel langsam über dem Tal aufgeht. Die Ausschilderung zum Platz kann man leicht im Ort finden. Es gibt keinerlei Service. Also kein Wasser, Strom und oder Entsorgung. Einen Laden oder Bäcker haben wir nicht in der Nähe gesehen. Aber wir wollten dort auch nur übernachten und es lag auf dem Weg Richtung Meer. Morgens waren die Temperaturen nur knapp über dem Gefrierpunkt. Ich wollte kaum glauben, dass es tagsüber noch warm werden würde.

Stellplatz in Goult

Das Ziel am nächsten Tag war Cap Adge. Bei einigen klingelt es vielleicht sofort. Ja richtig. In Cap´d Adge gibt es den größten Swingerclub der Welt. Ein Spielplatz für Naturisten. Zugang zum FKK Strand ist nur mit Eintrittskarte möglich. Auch außerhalb der Saison. Die Zufahrt ist nur von März bis Oktober geöffnet. Trotzdem waren wir neugierig und haben uns auf dem Gelände umgesehen. Wenn alles leer ist, wirkt es nicht besonders aufregend. Nicht so richtig vorstellbar, dass sich im Sommer überall nackte Menschen tummeln. Der Strand ist wunderschön. Feinster Sandstrand und alles sehr sauber. Am Ende des Jahres gibt es dennoch ein Highlight: Silvester wird traditionell im Meer gebadet.

Plage naturiste Cap ´dAdge

Übernachtet haben wir am Strandstellplatz “Les 3 Digues”. Nur dreieinhalb Kilometer entfernt von Cap´d Adge und sehr schön nah am Strand gelegen. In der Hauptsaison zahlt man knapp 12 Euro/ Nacht , wir waren mit 7 Euro dabei. Es gibt Ver- und Entsorgung. Toiletten waren bei uns verschlossen. Kein Strom. Aber sehr nah am Meer. An Strand, Wellen und Frankreich hat der Lieblingsmann leider keine guten Erfahrungen. Vor 20 Jahren hatte er im Urlaub, am Strand seine Brille verloren. Ich weiß nicht, wie oft er mir die Geschichte schon erzählt hat. Am Abend sind wir noch schön mit dem Hund am Strand gewesen und haben uns gefreut, wie er durch den Sand getobt ist. Auf dem Rückweg zum Wohnmobil stellte der Lieblingsmann dann leider fest, dass er nach zwei Jahrzehnten wieder seine Brille verloren hatte. Wir sind sofort zurück zum  Strand, aber die Brille zu finden, ist wie eine Nadel im Heuhaufen suchen. Zum Glück sind wir am nächsten Morgen nochmal an den Strand gegangen. Ein netter Finder hat die Brille auf den Dünenzaun gelegt, so dass wir sie sofort entdeckt haben.

Les troix digues Stellplatz

Der nächste Stellplatz war so schön, dass wir direkt mehrere Tage geblieben sind. Laut Stellplatz App ist der Wohnmobilpark in Palavas nur von Juli bis September geöffnet, aber wir hatten auch im November noch Glück. Und die 140 vorhandenen Plätze waren fast alle belegt. Wir kamen um die Mittagszeit an und wollten einchecken. Aber die Dame am Empfang winkte ab und sagte zu uns “we are closed”. Ich war total enttäuscht. Unbedingt wollte ich in der Marina, neben Palmen, campen. Und ich wäre einfach weiter gefahren. Der Lieblingsmann lässt sich aber nicht so schnell abwimmeln. Spricht kein französisch, aber hat keine Hemmungen den Nächstbesten anzuquatschen und sich mit den Händen zu verständigen. Und hat herausgefunden, dass Mittagspause ist. Um 14 Uhr sollten wir wiederkommen. Wir haben dann auch direkt einen Platz am Wasser bekommen. Es gibt Strom, Ver- und Entsorgung, Wlan, Toiletten und Duschen, Hunde erlaubt. Je nach Saison kostet der Platz zwischen 15 und 21 Euro. Die Aussicht, die Umgebung, das Meer und der charismatische Ort sind einfach wunderschön. Die Duschen sind jetzt nicht ganz so toll. Im besten Fall ist das Wasser lauwarm. Dann doch lieber im eigenen Womo duschen. Zum Angucken des Städtchen braucht man Zeit. Es gibt ganz viele schöne Ecken zu entdecken, tolle Restaurants mit fangfrischen Fischen und Muscheln und kleine Boutiquen mit wunderschönen Kleidern. Abends sind wir am Strand spazieren gegangen und wir waren die Einzigen.

Blick aus unserem Womo im Aire Camping Car-Base fluvial Paul Riquet in Palavas les Flots

Avignon war unser nächstes großes Ziel. Den Papstpalast und die besterhaltenste Stadtmauer Europas, mit über 4,3 km Länge wollten wir sehen. Der Lieblingsmann hatte vorher schon nach Stellplätzen geguckt und nichts gutes gefunden. Ein Stellplatz, etwas außerhalb, wurde sehr kritisiert, da es dort oft zu Einbrüchen kam. Wir haben ihn uns trotzdem angeschaut. Sehr abgelegen. Wir sind bestimmt nicht ängstlich, aber wenn schon auf mehreren Seiten gewarnt wird, müssen wir kein Risiko eingehen. Eigentlich war Avignon dann schon für uns erledigt, aber durch Zufall haben wir einen sehr schönen Campingplatz gefunden. Vorallem kurzer Weg zur Innenstadt. Camping Bagatelle Le Pavillon Bleu. Ich schreibe bewusst den vollen Namen, weil der unsichere Stellplatz ähnlich heisst. Aber es ist ein typischer Campingplatz. Es gibt quasi alles. Mit kleinem Supermarkt, heissen Duschen und Restaurant. Fellknäule erlaubt und das ganze Jahr offen. Preislich ein Schnäppchen: 22-30 Euro. Avignon wird immer in sehr schöner Erinnerung bleiben. Vielleicht darf ich ja demnächst verraten, warum….

Blick von der Brücke auf den Campingplatz in Avignon

Die nächsten drei Ziele waren eine Überraschung für mich. Ich wusste es werden Brücken sein. Vor meinem inneren Augen ploppten Autobahnbrücken auf und meine Begeisterung hielt sich in Grenzen. Aber die Fahrt zu den Brücken war schon ein Genuss. In der Provence hatten wir noch richtig schöne Herbsttage, mit 18 °Grad und fast nur Sonne. Einen Vormittag hat es mal geregnet und da waren wir eh mit dem Wohnmobil unterwegs. Die Natur war noch nicht im Kahlschlag, der Wein trug bunte Blätter und die meisten Bäume waren grün.

Pont Julien

Die erste Brücke war Pont Julien und wurde 3 v. Christus gebaut. Sehr beeindruckend. Und außerhalb der Saison hatten wir die Brücke sogar für uns alleine. Man kann direkt davor, kostenlos, parken. Da die zweite Brücke nur knapp 70 km entfernt war, sind wir gleich weiter gefahren. Zum Aquädukt Pont du Gard. Vom Lieblingsmann habe ich erklärt bekommen, wie solche enormen Bauwerke erschaffen wurden und dass das Prinzip eigentlich immer noch das selbe ist. Die Umgebung eignet sich wunderbar zum Wandern. Der Eintritt zur Brücke kostet pro Person 9,50 Euro. Dafür sind die Parkplatzgebühren schon darin enthalten. Von dem Eintrittsgeld wird das Aquädukt erhalten.

Pont du Gard

Geschlafen haben wir auf dem Stellplatz Aire de Camping- cars Place Allende in Vallon-Pont-d`Arc. Ein geschotterter Platz mit Schranke. Ver- und Entsorgung. Mehr nicht. Kostet dann auch nur 8,80 Euro. Wir mussten nichts zahlen, denn der Bezahlautomat hat die EC Karte nicht angenommen. Viele Stellplätze lassen sich nur mit Karte bezahlen. Gegenüber ist ein Busbahnhof und das Rathaus und da gibt es auch eine öffentliche Toilette. Bei uns war sie jedoch verschlossen. Und von dem Stellplatz sind es auch nur knapp 6 km zur letzten Brücke.

Pont d`Arc

Eine natürliche Steinbrücke, die über den Fluss Ardèche geht. Im Sommer auch ein beliebter Platz zum Baden. Ein riesiger Parkplatz ist ungefähr 300 m entfernt von der Brücke. Und ganz wichtig: auf dem Weg dorthin hat es eine öffentliche Toilette. Eine Kompost- Bio- Plumpsklovariante. Ich kenne mich da nicht so genau aus. Am Fluß Ardèche habe ich mich das erste Mal geärgert, dass wir unser Kanu nicht dabei hatten, aber mit so gutem Wetter hatten wir doch nicht gerechnet. Von dort aus ging es auch eigentlich schon wieder straff Richtung Heimat. Wir haben in Hauterives noch einen Zwischenstopp eingelegt, um dort zu übernachten. Auch nur ein Schotterplatz. Nah an einem kleinen Fluss und kurzer Fußweg in den Ort. Der hat zwei Attraktionen : ein Labyrinth und der Palais Idéal. Das ist ein Steinpalast, den ein Postbote gebaut und darauf seine Gedichte verewigt hat. Es wurde sogar verfilmt. Die Gemeinde ist nicht sehr groß. Am Rathaus gibt es eine öffentliche Toilette, die jederzeit zugänglich ist. Noch nie habe ich eine so saubere öffentliche Toilette gesehen.

Im Spätherbst, Mitte November, einen Roadtrip zu machen, hat uns besser gefallen als im Sommer. Es waren einfach nicht so viele Menschen unterwegs und wir konnten überall mit unserem Wohnmobil parken. Wenns zu warm ist, mag ich auch nicht so viel umherlaufen und angucken. So gab es ganz viel zu entdecken und wir haben die Franzosen als sehr nette und hilfsbereite Menschen kennen gelernt. In diesem Sinne… au revoir.

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